Äußerlich scheint das Altern Cher nichts anhaben zu können, aber die Pop-Ikone gibt offen zu, dass sie damit hadert. „Ich hasse es. Es hat mich auch nicht klüger gemacht“, sagte die Sängerin, die heute 80 Jahre alt wird, jüngst dem britischen „Guardian“. „Ich scheine das längste Leben von allen Menschen jemals zu haben. Ich sollte im Guinnessbuch der Rekorde stehen deswegen. Und ich bin immer noch dabei.“
Unter anderem dank Schönheitsoperationen, Botox und viel Sport wirkt die Pop-Diva sowieso alterslos. „Es gibt 20 Jahre alte Mädels, die nicht das können, was ich kann.“ Aber niemals habe sie sich vorstellen können, einmal so alt zu werden und dabei immer noch zu arbeiten, sagt Cher. Die noch ein paar Jahre ältere Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand habe sie einmal gefragt, warum sie immer noch arbeite. „Und ich habe geantwortet: 'Weil ich es eines Tages nicht mehr können werde.' Solange ich noch arbeiten kann, werde ich es tun. Was anderes kann ich nicht. Was soll ich denn machen? Ich liebe, was ich tue.“
Cher dreht noch einmal richtig auf
Dieser Tage arbeitet Cher nicht nur - sie dreht noch einmal richtig auf: 2024 erschien der erste Band ihrer Memoiren, der zweite soll dieses Jahr herauskommen. Auch an einem Film über ihr Leben wird gearbeitet. Mit der Marke „Cherlato“ stieg die Musikerin ins Eis-Geschäft ein, veröffentlichte erstmals ein Weihnachtsalbum - und bekam unter anderem einen Bambi, einen Ehren-Grammy und wurde in die Ruhmeshalle des Rock & Roll aufgenommen. Seit Jahrzehnten feiert Cher einen Erfolg nach dem anderen: Ob mit Superhits wie „Believe“ (mit dem verzerrten Autotune-Effekt, den ihr unzählige Musiker und Musikerinnen nachmachten) oder „If I Could Turn Back Time“, mit mehr als 100 Millionen verkauften Alben, zahlreichen Schauspielrollen, einem Oscar für die Romanze „Mondsüchtig“ oder mit einem Broadway-Musical über ihre Lebensgeschichte.
Dabei hat sich die Diva immer wieder neu erfunden: Vom Hippiemädchen über die Disco-Queen mit Glamour, knappen Outfits und Las-Vegas-Auftritten bis hin zur Interpretin von Abba-Songs oder Rockerin. „Mal war ich angesagt, mal war ich nicht angesagt. Aber ich war immer ich selbst. Ich habe mich immer als Fahrzeug in einem Autoscooter gesehen - wenn ich gegen eine Mauer gefahren bin, bin ich einfach zurück gehüpft und in eine andere Richtung gefahren“, sagt Cher. Als Legende sehe sie sich selbst sowieso nicht, sondern als eine „arbeitende und starke Frau“. „Ich laufe nicht herum und denke: 'Ich bin ein Star, ich bin ein Star.' Ich bin einfach nur sehr, sehr glücklich.“
Geboren wurde Cher als Cherilyn Sarkasian La Pier in ärmlichen Verhältnissen im kalifornischen El Centro als Tochter einer Cherokee-Indianerin und eines armenischen Truckers. In der Schule kam Cher nicht mit. „Meine Mutter war mein größter Fan. Sie sagte, das sei egal, Schule sei nicht wichtig. Und ich sagte: 'Ja Mama, aber ich kann die Zahlen noch nicht mal sehen, sie sehen für mich aus wie kritzelige kleine Dinger.' Sie sagte: 'Wenn du groß bist, wirst du jemanden haben, der sich für dich um Zahlen kümmert.'“ Diese frühe Erfahrung prägte sie: Sie lernte früh, dass sie sich auf ihre eigene Intuition und ihr Talent verlassen musste, nicht auf formale Bildung.
„I Got You, Babe“ klang anfangs „schrecklich“
1964 lernte Cher den italo-amerikanischen Sänger Salvatore „Sonny“ Bono kennen, die beiden heirateten noch im selben Jahr. Unter dem Namen Sonny & Cher gelang ihnen kurz danach mit „I Got You, Babe“ ein Welthit. Sonny sei mitten in der Nacht zu ihr gekommen und habe ihr den Song vorgesungen, erinnert sich Cher. „Es klang schrecklich. Als ich ihn dann gesungen habe, klang es nicht viel besser. Aber Sonny war das egal. Er wusste, was er da hatte.“ Danach folgten weitere Erfolge wie „The Beat Goes On“ und „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“. Die beiden wurden zu Ikonen der Flower-Power-Bewegung, lebten selbst allerdings eher konventionell - vor allem, nachdem Tochter Chastity geboren wurde. „Wir sind so spießig, dass es einen krank macht“, sagte Cher damals.
Einige Jahre später trennte sich das Paar im Streit. „Als ich Sonny verlassen habe, wollte ich Sonny & Cher aufbrechen. Ich war nicht die beiden und ich wollte ich sein. Das war so ein Schwachsinn. Ich hatte nie irgendwas erreicht.“ Bono kam 1998 bei einem Ski-Unfall ums Leben. Tochter Chastity lebt inzwischen als Mann und nennt sich Chaz. Cher selbst hat diese Entwicklung stets unterstützt: „Ich liebe mein Kind bedingungslos. Für mich ist Chaz immer noch derselbe Mensch, den ich großgezogen habe, nur eben in einer authentischeren Version.“
Privat viele Aufs und Abs
Cher, die sich nach der Trennung von Bono eine Solo-Karriere erarbeitete, heiratete noch einmal und bekam einen Sohn. Aber auch die zweite Ehe scheiterte - wie auch zahlreiche weitere Beziehungen. Chers jüngerer Sohn Elijah Blue Allman kämpft derzeit mit Drogenproblemen. Die Bitte der Musikerin um die Einrichtung einer Vormundschaft wurde bereits mehrfach gerichtlich abgelehnt. Trotz dieser privaten Belastungen blieb Cher öffentlich stets professionell und widmete sich weiterhin ihrer Musik und ihren Projekten. Sie engagierte sich auch politisch, unterstützte die LGBTQ+-Community und sammelte Millionen für wohltätige Zwecke.
Cher selbst ist inzwischen seit einiger Zeit mit dem rund 40 Jahre jüngeren Musikproduzenten Alexander Edwards zusammen. „Wir haben eine richtig gute Zeit zusammen. Er sagt, du wirst älter, aber dein Geist ist jünger.“ Diese Beziehung zeigt, dass Cher auch mit 80 noch offen für Neues ist und sich nicht von gesellschaftlichen Konventionen einschränken lässt. Sie genießt das Leben in vollen Zügen, reist, arbeitet und verbringt Zeit mit ihren Enkelkindern.
Trotz allem Hadern mit dem Alter: Für die Zeit nach ihrem Tod hat die Musikerin bereits vorgesorgt. Sie besitzt seit Jahren eine Grab-Parzelle auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise - direkt neben zwei anderen Legenden: Musiker Jim Morrison und Schriftsteller Oscar Wilde. Bis sie die Parzelle in Anspruch nimmt, soll es aber noch eine ganze Weile dauern, denn sie wolle noch lange das tun, was ihr am meisten Freude bereite: „Menschen glücklich zu machen. Es hört sich kitschig an, aber ich meine das so. Ich liebe es, die Zuschauer an einen anderen Ort zu versetzen.“
Eigentlich sei sie schüchtern, sagt Cher. „Aber sobald ich auf einer Bühne bin und die Zuschauer sehe, weiß ich, dass ich sie zusammenbringen kann. Egal, wie viele Tausende Menschen, ich kann sie alle zu Freunden machen.“ Diese Fähigkeit, eine Verbindung zum Publikum herzustellen, erklärt ihren anhaltenden Erfolg über sechs Jahrzehnte hinweg. Ihre Stimme, ihr Stil und ihre unverwechselbare Persönlichkeit haben Generationen geprägt. Von den 1960er Jahren bis heute – Cher bleibt eine der beständigsten und wandlungsfähigsten Figuren der Popkultur. Ihr Vermächtnis ist nicht nur eine beeindruckende Diskografie, sondern auch ein Beispiel für Widerstandsfähigkeit, Selbstbestimmung und die Kraft, sich immer wieder neu zu erfinden.
An ihrem 80. Geburtstag blickt Cher zurück auf ein Leben voller Höhen und Tiefen, aber ohne Bedauern. Sie plant bereits neue Projekte: eine weitere Welttournee, ein zweites Memoiren-Band und die Fertigstellung des Biopics, das ihre Geschichte einem neuen Publikum näherbringen soll. Ihre Energie scheint unerschöpflich, ihre Leidenschaft für die Musik und das Entertainment ungebrochen. Während viele in ihrem Alter den Ruhestand genießen, arbeitet Cher härter denn je – und das aus reiner Freude an der Kunst. „Ich bin einfach nur sehr, sehr glücklich“, wiederholt sie. Und das ist vielleicht das größte Geheimnis ihres Erfolgs: Nicht der Kampf gegen die Zeit, sondern die Liebe zu dem, was sie tut.
Source: RP ONLINE News