2022 wurde die "Ellen DeGeneres Show" nach schweren Vorwürfen gegen die Moderatorin abgesetzt. Doch Ellen DeGeneres sah sich nach ihrem Show-Aus mit einem weiteren schweren Schlag konfrontiert: einer dreifachen Gesundheitsdiagnose. In ihrem neuen Netflix-Special "For Your Approval" offenbart die 66-Jährige, dass bei ihr Osteoporose, eine Zwangsstörung (OCD) und eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert wurden.
Der berufliche und private Wendepunkt
Nach 19 Staffeln endete die Talkshow im Mai 2022, nachdem Mitarbeiter ein toxisches Arbeitsumfeld beklagt hatten. DeGeneres entschuldigte sich öffentlich, doch ihr Ruf war nachhaltig beschädigt. In der Zeit des Rückzugs aus dem Rampenlicht suchte sie therapeutische Hilfe und erhielt dabei die Diagnosen, die ihr halfen, viele ihrer Symptome zu verstehen. Die Komikerin gibt zu, dass es "schwer sein kann, ehrlich über das Altern zu sein und cool zu wirken."
Osteoporose: "Ich bin wie eine menschliche Sandburg"
Besonders eindringlich schildert DeGeneres die körperlichen Beschwerden. Nach einem Knochendichtetest erfuhr sie, dass sie an "vollständiger Osteoporose" leide. Sie erinnert sich an unerträgliche Schmerzen und dachte zunächst an einen Bänderriss. Ein MRT ergab jedoch: Arthritis. Der Arzt erklärte ihr nüchtern: "Das passiert einfach in deinem Alter." Mit gewohntem Humor vergleicht sie sich selbst mit einer "menschlichen Sandburg, die unter der Dusche zerfallen könnte." Osteoporose, erklärt DeGeneres, bedeute eine verminderte Knochendichte, die das Risiko von Frakturen erhöht – eine Erkrankung, die vor allem bei älteren Menschen auftritt. Sie betont, wie befreiend es sei, trotz der Diagnose einen heiteren Blick zu bewahren.
Psychische Gesundheit: Zwangsstörungen und ADHS
DeGeneres berichtet, dass der "Hass der Fans" und die anhaltenden Kontroversen ihre mentale Gesundheit stark beeinträchtigt hätten. Im Rahmen einer Therapie – die sie nach dem Ende ihrer Show begann – wurde bei ihr eine Zwangsstörung und ADHS diagnostiziert. Zwangsstörungen äußern sich in unkontrollierbaren, wiederkehrenden Gedanken oder sich wiederholenden Verhaltensweisen. ADHS hingegen führt zu Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Die ehemalige Moderatorin schildert, wie diese Diagnosen ihr halfen, ihr Leben und ihre Verhaltensmuster zu verstehen. Sie spricht offen über die Herausforderungen, die mit diesen Störungen einhergehen, und darüber, wie die Behandlung ihr geholfen hat, besser mit Stress und öffentlichen Anfeindungen umzugehen.
Der Aufstieg einer Ikone
Um die Tragweite dieser Offenbarungen zu verstehen, lohnt ein Blick auf DeGeneres' Karriere. Sie begann als Stand-up-Comedienne in kleinen Clubs in New Orleans und San Francisco. 1982 gewann sie den Wettbewerb "The Funniest Person in America" des Senders Showtime und tourte landesweit. Ihr Durchbruch gelang mit der Sitcom "Ellen" (1994–1998), in der sie 1997 ihre fiktive Figur und sich selbst als lesbisch outete – ein historischer Moment im US-Fernsehen. Nach dem Ende der Sitcom kehrte sie mit "The Ellen DeGeneres Show" (2005–2022) zurück, die zu einer der erfolgreichsten Talkshows im Tagesprogramm wurde. Von 2005 bis 2012 wurde sie jährlich zur beliebtesten Moderatorin gewählt. Ihre Show war bekannt für Tanz, Spiele und prominente Gäste.
Der Fall und seine Folgen
Der Niedergang begann 2020, als ehemalige Mitarbeiter anonym von einem toxischen Arbeitsumfeld, Einschüchterung und Respektlosigkeit berichteten. DeGeneres entschuldigte sich öffentlich und versprach Besserung, doch der Schaden war angerichtet. Im Mai 2022 wurde die Show nach 19 Staffeln eingestellt. Zuvor hatte es bereits 2016 Rassismusvorwürfe gegeben, als DeGeneres eine Fotomontage veröffentlichte, die sie auf dem Rücken des olympischen Sprinters Usain Bolt reitend zeigte. Die Kombination aus öffentlichem Druck und Selbstreflexion veranlasste sie schließlich zu einer mehrjährigen Auszeit.
Gesundheit im Fokus: Lebensstil und Altern
DeGeneres nutzt ihr neues Special nicht nur zur Selbstdarstellung, sondern auch, um über das Altern im Showbusiness zu reflektieren. Sie scherzt über die Herausforderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen: Vergesslichkeit, körperliche Gebrechen und die Diskrepanz zwischen innerem Selbstbild und äußerlicher Realität. Ihre Offenheit über Krankheiten wie Osteoporose – die oft als stille Epidemie bei älteren Frauen gilt – soll das Bewusstsein stärken. Sie betont die Wichtigkeit regelmäßiger Untersuchungen und eines aktiven Lebensstils, auch wenn die Knochen brüchig werden. Darüber hinaus spricht sie über ihre ADHS, die sie erst im Alter erkennen konnte, und darüber, wie sie gelernt hat, mit den Symptomen umzugehen: durch Struktur, Bewegung und Meditation.
Der Blick nach vorn
Mit "For Your Approval" kehrt Ellen DeGeneres auf die Bühne zurück – als Stand-up-Komikerin, die ihre eigene Geschichte erzählt. Das Special ist Teil einer Reihe von neuen Projekten, mit denen sie sich aus ihrem Rückzug herauswagt. Sie macht deutlich, dass sie zwar nicht mehr im täglichen Talkshow-Geschäft tätig sein wolle, aber die Bühne und das Publikum brauche, um sich selbst zu heilen. Ihre Diagnosen sieht sie nicht als Makel, sondern als Werkzeuge, um ihr Leben besser zu verstehen. Sie hofft, mit ihrer Offenheit anderen zu helfen, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.
Die dreifache Diagnose von Ellen DeGeneres zeigt, dass auch Superstars vor gesundheitlichen und psychischen Problemen nicht gefeit sind. Ihre Bereitschaft, so intime Details zu teilen, macht sie nicht nur menschlich, sondern unterstreicht auch ihre anhaltende Bedeutung als Sprachrohr für wichtige gesellschaftliche Themen – sei es Gleichberechtigung, psychische Gesundheit oder der Umgang mit dem Altern. Für viele Fans ist dies ein Grund, die Komikerin neu zu entdecken und ihren Kampf zu respektieren.
Source: Kurier News