Keanu Reeves, einer der bekanntesten Schauspieler Hollywoods, kehrt in die Welt der Samurai zurück – diesmal jedoch nicht vor der Kamera, sondern im Tonstudio. Der Star aus der "John Wick"-Reihe und "The Matrix" übernimmt die Hauptrolle im japanischen Stop-Motion-Film Hidari, der derzeit von den Studios Whatever Co., dwarf studios und TECARAT entwickelt wird. Die offizielle Ankündigung erfolgte im Rahmen des Annecy Animation Showcase beim Marché du Film der 79. Filmfestspiele von Cannes.
Reeves spricht in dem Film Hidari Jingoro, einen legendären Kunsthandwerker aus der Edo-Zeit (1603–1868). Obwohl die historische Existenz dieser Figur nicht eindeutig belegt ist, wird Jingoro in Japan mit zahlreichen Erzählungen und Kunstwerken verbunden. Er gilt als Schöpfer des berühmten schlafenden Kätzchens aus Holz, das als Glücksbringer und Symbol für Handwerkskunst bekannt ist. Diese Figur, die "Schlafende Katze" (Nemuri-neko), soll den Film begleiten und eine zentrale Rolle in der Handlung spielen.
Vom viralen Kurzfilm zum Langfilm
Der Film basiert auf einem Proof-of-Concept-Kurzfilm von Masashi Kawamura, der 2023 veröffentlicht wurde und inzwischen über 4,9 Millionen Aufrufe auf YouTube erreicht hat. Der Kurzfilm beeindruckte durch seine detailreiche Stop-Motion-Animation, die an japanische Holzschnitzkunst erinnert. Die hohe Qualität des Pilotfilms überzeugte die Produzenten, das Projekt auf etwa 90 Minuten Spielfilmlänge auszuweiten. Der Langfilm wird im Genre Action/Drama angesiedelt sein.
Regie und Drehbuch stammen erneut von Kawamura, der mit seinen früheren Arbeiten wie "The Last One" und "Babel" bereits internationale Anerkennung fand. Als Co-Regisseur und Character Designer fungiert Iku Ogawa, der durch seine Arbeit an der Netflix-Serie Pokémon Concierge bekannt wurde. Die Produktion vereint japanische Handwerkskunst mit moderner Erzählweise und verspricht ein visuelles Erlebnis, das sowohl traditionelle als auch zeitgenössische amerikanische Einflüsse vereint.
Die Handlung: Handwerker wird zum Rächer
Die Geschichte spielt im Japan der Edo-Zeit und verbindet reale historische Bezüge mit fiktionalen Elementen. Der Protagonist Hidari Jingoro ist ein begnadeter Holzschnitzer, der am Wiederaufbau des Edo Castle arbeitet. In diese Zeit fällt eine Verschwörung, die Jingoro in einen Strudel aus Gewalt und Verlust reißt. Er verliert seinen Mentor, seine geliebte Frau und schließlich seinen rechten Arm. Angekommen am Tiefpunkt seiner Existenz, verwandelt sich der Handwerker in einen Rächer.
Der verlorene Arm wird durch eine waffenfähige Prothese ersetzt, die aus seinen eigenen Werkzeugen gefertigt ist. Jingoro nutzt nun seine handwerklichen Fähigkeiten nicht mehr für die Kunst, sondern für Rache. Seine Begleiterin ist die hölzerne "Schlafende Katze", eine spezielle Figur aus Holz, die er zuvor geschaffen hatte. Die Verbindung dieser Elemente – Stop-Motion, Samurai-Kino, Verlust eines Körperteils und Rache – erinnert an die Ästhetik der "John Wick"-Filme, die offenbar eine wichtige Referenzquelle für das Team waren.
Keanu Reeves: Die perfekte Besetzung
Dass ausgerechnet Keanu Reeves die Rolle des Hidari Jingoro spricht, ist für Regisseur Kawamura keine zufällige Wahl. In einem Statement erklärte Kawamura, dass einer der Filme, auf die man sich bei der Entwicklung des Pilotfilms und des Drehbuchs gestützt habe, John Wick gewesen sei. Reeves habe daher ganz oben auf der persönlichen Wunschliste gestanden. Der Schauspieler selbst zeigte sich begeistert von der Vision des Projekts: "Die Kombination aus japanischer Handwerkskunst und Stop-Motion-Animation ist wirklich außergewöhnlich. Ich bin stolz, Teil dieses Films zu sein."
Für Reeves ist Hidari laut offizieller Mitteilung die erste Rolle in einer japanischen Originalproduktion. Als Synchronsprecher hat er jedoch bereits Erfahrung gesammelt: Zu seinen bisherigen Voice-Rollen zählen Duke Caboom in Toy Story 4, Shadow in Sonic the Hedgehog 3 sowie der unvergessliche Johnny Silverhand im Videospiel Cyberpunk 2077. In Hidari soll er die innere Zerrissenheit einer Figur transportieren, die von Rache getrieben wird, aber ihren schöpferischen Kern nicht vollständig verliert.
Stop-Motion: Eine aufwendige Kunstform
Die Wahl des Animationsstils ist bemerkenswert: Stop-Motion ist eine der zeitaufwändigsten und detailverliebtesten Techniken der Filmbranche. Jede einzelne Bewegung der Figuren muss Bild für Bild manuell justiert werden – ein Prozess, der oft nur wenige Sekunden pro Tag Fortschritt erlaubt. Aktuelle Beispiele wie Guillermo del Toros Pinocchio (2022) oder Das fantastische fliegende Buch des Herrn Morris Lessmore zeigen jedoch, wie immersiv und emotional diese Technik sein kann. Für Hidari werden die Puppen und Sets in aufwendiger Handarbeit gefertigt, um den historischen Kontext der Edo-Zeit authentisch darzustellen.
Die deutsche und internationale Anime- und Animationsszene blickt gespannt auf dieses Projekt. Es verbindet traditionelle japanische Handwerkskunst mit einer modernen, actionreichen Erzählung und prominenten internationalen Stimmen. Die Kombination aus Keanu Reeves' ikonischer Stimme und der detailreichen Stop-Motion-Animation könnte eine neue Ära für japanische Animationsfilme einläuten. Zudem ist die Zusammenarbeit zwischen japanischen und amerikanischen Kreativteams ein Zeichen für die wachsende globale Vernetzung der Filmbranche.
Produktion und Team
Die Produktion erfolgt unter Federführung von Whatever Co., einem japanischen Animationsstudio, das für innovative Kurzfilme und Werbespots bekannt ist. dwarf studios, Spezialisten für Stop-Motion, bringen ihre Expertise in die Puppen- und Setgestaltung ein. TECARAT, ein weiteres japanisches Studio, ergänzt das Team mit digitalen Effekten. Der Film soll sowohl in japanischer als auch in englischer Sprachfassung erscheinen – eine Entscheidung, die die internationale Vermarktung erleichtert.
Die Finanzierung des Films ist noch nicht vollständig abgeschlossen, aber durch die Unterstützung von japanischen Filmförderungen und internationalen Investoren scheint die Realisierung gesichert. Ein konkreter Releasetermin steht noch nicht fest, doch das Team hofft auf eine Premiere im Jahr 2026.
Historischer Hintergrund: Hidari Jingoro
Die Figur des Hidari Jingoro ist eng mit der japanischen Folklore verbunden. Der Name bedeutet "Linkshändiger Jingoro" – eine Anspielung auf die Legende, dass ein linker Daumen ein Zeichen für außergewöhnliches handwerkliches Geschick sei. In der Realität wird der historische Jingoro mit der Entstehung des Nemuri-neko (schlafende Katze) im Nikkō Tōshō-gū-Schrein verbunden. Diese Holzschnitzerei zeigt eine schlafende Katze und gilt als Meisterwerk der Edo-Zeit. Der Film nimmt diese Legende auf und spinnt sie zu einer fiktionalen Rachegeschichte weiter.
Die Edo-Periode war eine Zeit des Friedens und der wirtschaftlichen Blüte unter der Tokugawa-Regierung. Handwerker genossen hohes Ansehen, und Holzschnitzerei erlebte eine Blütezeit. Gleichzeitig gab es immer wieder politische Intrigen und Machtkämpfe, die den Hintergrund für die Verschwörung im Film bilden. Die Entscheidung, diese historische Ära mit übernatürlichen und actionreichen Elementen zu verbinden, erinnert an Werke wie Blade of the Immortal oder Rurouni Kenshin.
Ausblick und Erwartungen
Die Ankündigung von Hidari hat in der Filmbranche für viel Aufsehen gesorgt. Fans von Keanu Reeves, Stop-Motion-Animation und Samurai-Geschichten warten gespannt auf weitere Details. Der Film könnte nicht nur ein visuelles Highlight werden, sondern auch ein neues Kapitel in der Karriere des Schauspielers aufschlagen, der sich in den letzten Jahren vermehrt auf unkonventionelle Projekte konzentriert – von Indie-Filmen wie The Whole Truth bis zu Blockbustern wie John Wick: Kapitel 4. Die Kombination aus seinem Bekanntheitsgrad und der speziellen Animationsform verspricht einzigartige Kinoerlebnisse.
Obwohl ein Releasetermin noch nicht feststeht, wird die Produktion voraussichtlich noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Der Kurzfilm hat bereits gezeigt, dass das Team technisch auf höchstem Niveau arbeitet. Der Langfilm soll dieses Niveau nicht nur halten, sondern durch die längere Erzählzeit und die emotionale Tiefe der Figuren noch übertreffen. Die Handlung um Rache, Verlust und die Suche nach Identität spricht universelle Themen an, die weit über die japanische Kultur hinausgehen.
Die deutsche Presselandschaft hat das Projekt ebenfalls aufmerksam verfolgt. Die Mischung aus ernster Erzählweise, künstlerischer Animation und popkulturellen Referenzen macht Hidari zu einem der spannendesten Animationsfilme der kommenden Jahre. Es bleibt abzuwarten, ob der Film die hohen Erwartungen erfüllen kann, doch die bisherigen Signale sind vielversprechend.
Source: Eurogamer.de News