Lisa Grub, bis zu ihrer Hochzeit als Lisa Müller bekannt, hat einmal mehr bewiesen, dass sie zu den besten Schützinnen der Welt zählt. Die Weingartenerin holte sich im kroatischen Osijek die Goldmedaille bei der Europameisterschaft im Kleinkaliber. Dazu stellte Grub einen Weltrekord auf.
Der Wettkampf fand im nicht-olympischen Liegendschießen über 50 Meter statt. 60 Schuss musste jede der 48 Athletinnen abgeben. Lisa Grub traf 60-mal in die Zehn, ihr schwächster Wert war eine 10,1, ihre schwächste Serie eine 104,5. Der Deutsche Schützen-Bund (DSB) sprach von „absoluter Weltklasse“. Damit übertraf sie die bisherige Weltrekordhalterin, die Norwegerin Jenny Stene, um fünf Zehntel – von 630,2 auf 630,7 Ringe.
Ein überragender Wettkampf
Schon im Vorfeld hatte Grub mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 hatte sie im Dreistellungskampf das Finale erreicht und dort den vierten Platz belegt. Dieses Mal zeigte sie eine noch konzentriertere Vorstellung. „Ich weiß, dass ich liegend schießen kann und bin super happy, wie der Wettkampf lief, wie ich durchgezogen habe und dass ich das erste Mal 600/600 und über 630 geschossen habe“, wird Grub in der DSB-Mitteilung zitiert. „Dass es direkt der Weltrekord wurde, ist natürlich die Kirsche auf der Sahnetorte und macht mich stolz. Überhaupt macht mich die Art und Weise, wie ich aktuell alle meine Wettkämpfe bestreite, sehr stolz.“
Dabei war die Konkurrenz stark: Mit der Norwegerin Jeanette Duestad trat die für viele Experten vielseitigste und beste Gewehrschützin der Welt an. Doch auch Duestad, die in Paris Bronze gewonnen hatte, konnte Grubs Serie nicht gefährden. Die deutsche Schützin dominierte von Anfang an. Ihre erste Serie von 105,1 Ringen setzte bereits ein Ausrufezeichen. Danach legte sie konstant nach und ließ bei keinem der sechs Durchgänge nach. Der Weltrekord war die Krönung einer herausragenden Leistung.
Team-Erfolge als i-Tüpfelchen
Neben dem Einzeltriumph sammelte Lisa Grub weitere Medaillen für das deutsche Team. In der Teamwertung des Liegendschießens reichte es für die deutschen Frauen mit Grub, Nele Stark und Anna Janßen zur Bronzemedaille. Stark belegte im Einzel den 18. Platz (622,0 Ringe), Janßen kam auf Rang 42 (615,8 Ringe). In der Disziplin Kleinkaliber-3-Stellung war das Trio noch erfolgreicher: Hier holte sich das Team die Goldmedaille. Grub selbst zog mit einer Weltbestleistung ins Finale der besten acht ein und belegte im Einzel den sechsten Platz. Im Teamwettbewerb Liegend gewann die deutsche Mannschaft zudem Silber.
Diese Erfolge unterstreichen die Stärke des deutschen Damen-Gewehrteams, das sich auf die kommenden internationalen Höhepunkte wie die Weltmeisterschaft 2027 und die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vorbereitet. Grub ist dabei die unangefochtene Führungsschützin, aber auch die jungen Athletinnen Stark und Janßen zeigen konstante Leistungen.
Der Weg an die Weltspitze
Lisa Grub, Jahrgang 1996, begann schon als Kind mit dem Schießsport. Ihr Talent zeigte sich früh: Bereits mit 16 Jahren gewann sie ihre ersten nationalen Titel. Nach dem Abitur konzentrierte sie sich voll auf den Leistungssport und studierte parallel Sportwissenschaften. Der Sprung in die Nationalmannschaft gelang ihr 2018. Seitdem sammelte sie Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften, bis zuletzt stand aber ein großer Einzeltitel noch aus. Das hat sich nun in Osijek geändert.
Der Weltrekord im Liegendschießen ist besonders bemerkenswert, weil diese Disziplin nicht olympisch ist und daher seltener trainiert wird. Die meisten Schützinnen konzentrieren sich auf den Dreistellungskampf. Grub jedoch beweist, dass sie auch im spezialisierten Liegendschießen absolute Weltklasse ist. Ihre Technik, die ruhige Hand und ihre mentale Stärke sind Vorbild für viele Nachwuchsschützen.
Reaktionen aus dem Verband
Der Deutsche Schützen-Bund zeigte sich begeistert. Präsident Hans-Heinrich von Schönfels nannte den Weltrekord „eine Sensation“ und lobte Grubs Einstellung: „Lisa hat gezeigt, dass sie zu den ganz Großen unseres Sports gehört. Dieser Rekord wird noch lange Bestand haben.“ Auch die baden-württembergische Landessportministerin gratulierte und betonte die Bedeutung der Sportschützen für die Region. In Weingarten, dem Heimatort der Schützin, wurde ein spontanes Empfangskomitee organisiert, um die neue Europameisterin zu feiern.
Lisa Grub selbst bleibt trotz des Erfolgs bescheiden. „Das war ein perfekter Wettkampf, aber ich weiß, dass ich mich noch verbessern kann. Das Ziel ist jetzt die Weltmeisterschaft 2027, dort möchte ich ebenfalls angreifen“, sagte sie nach der Siegerehrung. Ihre Fans können also auch in Zukunft mit weiteren Höchstleistungen rechnen. Die Europameisterschaft in Osijek wird jedenfalls als eines der glanzvollsten Kapitel ihrer Karriere in die Geschichte eingehen – nicht zuletzt wegen dieses Weltrekords, der dem Titel eine zusätzliche Strahlkraft verleiht.
Source: Schwaebische News