Der Gates Foundation Trust, der das Vermögen der Stiftung von Bill und Melinda Gates verwaltet, hat im vierten Quartal 2025 erneut Microsoft-Aktien verkauft. Laut dem aktuellen 13F-Bericht, der bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurde, veräußerte der Trust 1.500.000 Microsoft-Aktien im Wert von rund 1,04 Milliarden US-Dollar. Damit reduzierte die Stiftung ihren Anteil an dem von Bill Gates mitgegründeten Softwarekonzern von 9.191.207 auf 7.691.207 Aktien, ein Rückgang von 16 Prozent. Der Wert der verbliebenen Microsoft-Position belief sich zum Jahresende auf etwa 3,719 Milliarden US-Dollar.
Zugleich trennte sich der Trust von einem erheblichen Teil seiner Beteiligung an Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Insgesamt 2.358.460 Berkshire-B-Aktien wurden verkauft, was einem Erlös von 1,187 Milliarden US-Dollar entspricht. Nach dem Verkauf hält der Gates Foundation Trust noch 19.406.764 Berkshire-B-Aktien im Wert von rund 9,754 Milliarden US-Dollar. Berkshire Hathaway bleibt damit trotz des massiven Verkaufs mit 27,59 Prozent des gesamten Portfolios die mit Abstand größte Einzelposition der Stiftung.
Hintergrund der Verkäufe
Die Verkäufe sind Teil der routinemäßigen Portfolio-Neugewichtung des Gates Foundation Trust, der ein Vermögen von über 35 Milliarden US-Dollar verwaltet. Bill Gates selbst hatte sich bereits in den vergangenen Jahren schrittweise von Microsoft-Aktien getrennt, um seine philanthropischen Aktivitäten zu finanzieren. Der Verkauf von Berkshire-Aktien überrascht jedoch einige Beobachter, da Gates ein langjähriger Bewunderer von Warren Buffett ist und die beiden Milliardäre eng befreundet sind. Buffett selbst hat Gates wiederholt als außergewöhnlichen Investor gelobt.
Seit seiner Gründung im Jahr 2000 hat der Gates Foundation Trust Milliarden in globale Gesundheits- und Bildungsprogramme investiert. Die Erlöse aus Aktienverkäufen fließen direkt in die Stiftungsarbeit. Die jüngsten Transaktionen sind daher nicht zwingend als negatives Signal für die beiden Unternehmen zu werten, sondern spiegeln vielmehr die langfristige Strategie der Stiftung wider, ihre Portfolio-Allokation regelmäßig anzupassen.
Portfoliostruktur nach den Verkäufen
Neben Berkshire Hathaway und Microsoft hält der Trust bedeutende Positionen in weiteren Unternehmen. Mit 17,98 Prozent des Portfolios folgt auf Platz zwei der Umweltdienstleister Waste Management. Die Canadian National Railway Company, Microsoft und Caterpillar sind mit 14,49, 10,52 beziehungsweise 10,29 Prozent gewichtet. Außer den Verkäufen von Microsoft und Berkshire Hathaway nahm der Trust im vierten Quartal keine weiteren Änderungen an seinen Beteiligungen vor – weder wurden neue Positionen aufgebaut noch bestehende aufgestockt.
Besonders auffällig ist die hohe Konzentration auf nur wenige Titel: Die fünf größten Positionen machen zusammen mehr als 80 Prozent des gesamten Portfolios aus. Diese Strategie unterscheidet sich fundamental von der breiten Diversifikation, die viele institutionelle Anleger verfolgen. Sie erinnert eher an den Investmentstil von Warren Buffett selbst, der ebenfalls auf wenige, dafür umso intensiver analysierte Unternehmen setzt.
Historische Entwicklung von Gates' Microsoft-Beteiligung
Bill Gates besaß zu Zeiten des Börsengangs von Microsoft im Jahr 1986 rund 45 Prozent der Anteile. Durch kontinuierliche Verkäufe und Aktiensplits hat sich dieser Anteil drastisch reduziert. Im Jahr 2018 hielt Gates noch rund 1,3 Prozent der Microsoft-Aktien, während es heute durch den Trust noch etwa 0,1 Prozent sind. Die Erlöse aus diesen Verkäufen haben die Arbeit der Bill & Melinda Gates Foundation in erheblichem Maße unterstützt – die Stiftung hat seit ihrer Gründung über 70 Milliarden US-Dollar für wohltätige Zwecke ausgegeben.
Die jüngste Verkaufswelle fällt in eine Phase, in der Microsoft-Aktien neue Höchststände erreicht hatten. Der Kurs des Technologieriesen legte im Jahr 2025 um rund 22 Prozent zu, getrieben von den starken Ergebnissen im Bereich Cloud Computing und Künstliche Intelligenz. Der Verkaufszeitpunkt könnte daher taktisch günstig gewählt sein, um hohe Gewinne zu realisieren. Allerdings bleiben die genauen Motive des Trusts intransparent, da die Stiftung keine regelmäßigen Kommentare zu einzelnen Transaktionen abgibt.
Interessanterweise hat Bill Gates selbst seine direkten Microsoft-Beteiligungen in den letzten Jahren kaum verändert – die Verkäufe laufen fast ausschließlich über den Trust. Dies deutet darauf hin, dass die Veräußerungen nicht primär durch persönliche Liquiditätsbedürfnisse motiviert sind, sondern der systematischen Mittelbeschaffung für die Stiftungsarbeit dienen.
Berkshire Hathaway – eine ungewöhnliche Abhängigkeit
Dass Berkshire Hathaway mit fast 28 Prozent das mit Abstand größte Gewicht im Portfolio des Gates Foundation Trust ausmacht, ist bemerkenswert. Bill Gates war von 2004 bis 2010 im Aufsichtsrat von Berkshire Hathaway und pflegt ein enges Verhältnis zu Warren Buffett. Der Verkauf von Berkshire-Aktien im vierten Quartal könnte darauf hindeuten, dass der Trust eine Reduzierung dieser Abhängigkeit anstrebt, ohne jedoch die Kernposition komplett aufzugeben.
Berkshire Hathaway selbst verzeichnete im Jahr 2025 ein solides operatives Ergebnis, litt aber unter einer leichten Kurskorrektur im vierten Quartal. Dennoch bleibt die Aktie für langfristig orientierte Anleger attraktiv, da das Konglomerat über ein außergewöhnlich breit diversifiziertes Geschäftsmodell mit Beteiligungen an Versicherungen, Bahngesellschaften, Energieunternehmen und Konsumgütern verfügt.
Die Canadian National Railway Company und Caterpillar als weitere große Positionen zeigen, dass der Trust auf zyklische Werte mit starkem Cashflow setzt. Waste Management als zweitgrößte Position unterstreicht das Interesse an Unternehmen mit stabilen, wiederkehrenden Einnahmen aus Abfallentsorgung und Recycling. Diese Mischung aus Technologie, Industrie und Infrastruktur spiegelt eine konservative, aber dennoch wachstumsorientierte Anlagestrategie wider.
Insgesamt zeigt der 13F-Bericht des Gates Foundation Trust für das vierte Quartal 2025 eine gezielte Portfolioumschichtung, bei der die Liquidität erhöht wurde, ohne die grundlegende Portfolioausrichtung zu verändern. Die Konzentration auf wenige, gut verstandene Unternehmen bleibt das Markenzeichen dieser milliardenschweren Stiftung. Anleger weltweit verfolgen die Transaktionen genau, da sie oft als Indikator für langfristige Trends im Value-Investing dienen.
Source: wallstreetONLINE News